1. Pantheon 

 

Frage 1: Können Sie sich und das Pantheon kurz vorstellen? (00:01)


Steimer: Ich arbeite seit 2007 im Pantheon und bin künstlerische Leitung dort. Das heißt, ich kümmere mich eigentlich um alles - wir sind alle so, dass wir jetzt nicht auf unseren Bereichen sitzen, sondern uns generell für das Haus verantwortlich fühlen, aber in meiner alleinigen Verantwortung liegt die Programmgestaltung.

Das Pantheon wird jetzt schon 35 Jahre alt, ich habe ein Haus übernommen, was schon sehr gut etabliert war, was schon sein Profil hatte, aber es ist natürlich trotzdem so, dass man immer wieder was ändern muss - man muss am Puls der Zeit bleiben, man muss gucken, dass das Publikum sich verjüngt. Gerade das Kabarettpublikum ist ja auch ein sehr altes Publikum, viele der sogenannten Alt-68er sind dabei und da ist im Moment auch ein großer Generationswechsel im Gange. Und das betrifft natürlich dann viele Programmbereiche.

Gerade da sind natürlich im Moment auch im Literaturbereich ganz spannende Sachen auf den Markt gekommen, so etwas wie die Poetry Slams. Ich weiß nicht, wie lange die es jetzt gibt, acht oder zehn Jahre, dass sie richtig massiv gekommen sind. Und das ist ein riesiges, junges Publikum, was dann dadurch auch für was begeistert worden ist, was wirklich diese Grenzgängerei zwischen Kabarett, Literatur und Performance ist, also eine ganz, ganz tolle Sache. Und wir waren in Bonn mit die Ersten, die so etwas auch regelmäßig angeboten haben, Science Slam geht auch in die Richtung, aber wie gesagt, vor allem Poetry Slams und mittlerweile sind natürlich viele dieser Slammer auch ganz, ganz bekannt geworden. Also jemanden wie Thorsten Sträter oder Lisa Eckert braucht man ja irgendwie nicht mehr zu erwähnen, die haben so einen großen, bekannten Ruf, die gehören mittlerweile zur Spitzenklasse.


Frage 2: Was macht das Pantheon auch als Literaturort interessant? (01:45)


Steimer: Selbst von den sogenannten Kabarettisten gibt es ja sehr, sehr viele, die auch Literaten sind. Wir haben jetzt in den nächsten Wochen Frank Goosen da. Er hat kabarettistische Wurzeln, aber er ist auch Schriftsteller, hat ganz viele erfolgreiche Bücher herausgebracht. Max Gold war einer der Ersten, der liest zwar "nur", das hat aber so kabarettistische Züge, wenn er auf der Bühne ist, das ist dermaßen witzig; Jochen Malms auch, Literat und Kabarettist. Und was wir eben auch sagten, die ganzen Poetry Slammer, fast alle von denen haben auch Bücher herausgebracht, viele sind aber auch mit einer großen Bühnenpräsenz und Performancemöglichkeit gesegnet, das vermischt sich total. Das Entscheidende ist wirklich die Zielgruppe zu finden, aber da man mittlerweile weiß, dass wir vieles in dem Bereich anbieten, ist das Publikum auch aufmerksam auf das Pantheonprogramm. Und wenn das dann spannend klingt, dann kommen die auch.

Und wir haben das große Glück, wir haben zwei Säle - wir können sie zwar nicht parallel betreiben, aber alternativ. Das heißt gerade auch in diesem Bereich von Lesungen und kleineren Performances oder so, wenn die Künstler auch noch nicht so bekannt sind, dann gehen sie in die Lounge. Selbst wenn dann "nur" 30 oder 40 Leute sind, ist es eine total angenehme Atmosphäre und wenn das Publikum dann gesehen hat, das ist aber spannend und der Künstler wird bekannter, was ja oft auch der Fall ist, dann kann man damit auch irgendwann in den großen Saal gehen. Da sind wir sehr flexibel und haben dann auch Glück, als wenn man direkt in so einen 400er-Saal muss. Das ist gerade bei so etwas intimen wie einer Lesung oder diesem ganzen Genre dann natürlich schwierig, wenn nicht so viele Leute kommen.


Frage 3: Wie bewältigt das Pantheon die derzeitige COVID-Situation, gab es Schwierigkeiten und Umstellungen? (03:33)


Steimer: Wir mussten schließen im März 2020, wir alle, durften dann kurzfristig wieder aufmachen zwischen August und Oktober letzten Jahres, und zwar da natürlich einerseits unter Einhaltung sehr großer Hygienevorschriften, also die Wegerleitung, dass Leute sich nicht begegnen; wir durften nur ungefähr nur die Hälfte der Besucher hereinlassen, wir haben das dann so bei 200 limitiert, und all diese Sachen, die alle anderen auch machen mussten - Kontaktnachverfolgung und sowas. Und dann mussten wir im November wieder zumachen und werden jetzt nächste Woche Samstag wieder eröffnen. Im Moment ist es ja auch auf der Kippe, es gab ja eine Inzidenz 0 und es geht gerade wieder hoch. Wir sitzen im Endeffekt selbst in den Startlöchern und gucken, was halt geht. Im Endeffekt, man kann sich auf nichts mehr verlassen. Wir gehen davon aus, dass wir erstmal wieder so arbeiten können wie es im letzten Herbst war, also halbe Besetzung, entsprechende Abstände und so weiter, und so sind auch die Kartenvorverkäufe geplant und mit den Künstlern ist alles entsprechend abgesprochen.

Großes Problem ist, dass wir schon das Gefühl haben, dass das Publikum auch zurückhaltend ist, was wir an den Kartenvorverkäufen merken. Die sitzen natürlich genauso da und warten ab, was passiert wie wir. Ich glaube, dass wird wieder dauern, bis auch wieder das Vertrauen da ist. Das war letzten Herbst genauso, ist aber unheimlich schnell gegangen. Die ersten Veranstaltungen, die wir letzten Herbst wieder angeboten haben, waren noch so "na ja", und eigentlich nach einer Woche ging das wirklich wieder nach oben mit den Kartenverkäufen. Und wenn wir hätten weitermachen können, wären wir ständig ausverkauft gewesen, mit der halben Besetzung natürlich. Wir hoffen, dass das wieder ähnlich läuft und die Leute wirklich wieder zurückkommen und sich nicht in den letzten Monaten die Kultur abgewöhnt haben, das wäre schrecklich.


Frage 4: Welche digitalen Angebote gibt es derzeit? (05:30)


Steimer: Wir haben ein paar Mal Streams gemacht, die auch ganz gut gelaufen sind. Auch da öfters einmal Lesungen, manchmal auch Konzerte und sowas, aber wir haben uns nicht im großen Stil darauf gestürzt. Das liegt vielleicht auch daran, dass wir alle altmodisch sind. Theater hat auch was zu tun mit Gerüchen und Emotionen und Begegnung und Kommunikation, wir haben es einfach abgelehnt zu sagen, wir wollen so in die Richtung. Wir wollen die Leute wieder im Haus haben, wir wollen wirklich das Theatererlebnis, was ja ein Umfassendes ist - man kommt, man unterhält sich, man trinkt ein Weinchen, und man spürt diese Atmosphäre, die in der Luft ist und die ist digital einfach nicht zu kriegen.

Aber wie gesagt, wir bieten es trotzdem an, und vor allen Dingen, wenn Künstler auf uns zukommen, die was machen wollen mit uns, das haben wir jedes Mal dann auch gemacht und gestreamt. In der Regel aus der Lounge, die ich eben erwähnt habe, also der kleine Saal, weil sie auch etwas Kuscheliges, Wohnzimmermäßiges hat, das hat immer gut gewirkt im Netz.


Frage 5: Ist ein Ausbau des digitalen Angebots geplant? (06:36)


Steimer: Das liegt natürlich auch am Genre - ich denke, es gibt auch Bereiche, die kann man besser digital vermitteln. Aber ein Kabarettist, der dann irgendwie ohne Publikum, ohne Gelächter, ohne Geklatsche und sowas macht. Da gibt es Fernsehsendungen, die machen es besser, da müssen wir es nicht selber auch nochmal anbieten. Insofern denke ich, werden wir sicher weiter so Sachen anbieten, vor allem wenn Nachfrage ist, wenn Künstler und so Möglichkeiten nutzen wollen, aber das wird nicht unser Arbeitsschwerpunkt sein. Aber wie gesagt, ist vielleicht auch eine Alterssache. Ich bin nicht mehr ganz jung und das ganze Team ist in der Regel, wir haben natürlich auch ein paar junge Leute dabei, aber die meisten von uns sind alte Theaterhasen, wir sind einfach Livefanatiker. 

 

2. Universitäts- und Landesbibliothek Bonn

 

Frage 1: Können Sie sich und Ihre Aufgaben in der ULB kurz vorstellen? (00:01)

Meyer-Doerpinghaus: Mein Name ist Ulrich Meyer-Doerpinghaus, ich bin Direktor der Universität- und Landesbibliothek. Die Aufgaben eines Direktors sind klar, er koordiniert das Ganze, er steht für das Ganze der Bibliothek. Ich steuere die Strategie, kümmere mich um die Resourcen, also übergreifende Aufgaben. Wir haben insgesamt zahlreiche Dezernate, wir haben 180 Mitarbeiter:innen und insgesamt ist es also eine sehr starke organisatorische Aufgabe.

Frage 2: Inwiefern lässt sich die ULB als Literaturort wahrnehmen? (00:31)

Meyer-Doerpinghaus: Also wir sind ja eigentlich vom Schwerpunkt her eine wissenschaftliche Bibliothek, unser erster Bezug sind die Literaturwissenschaften. Das bedeutet, dass man hier literaturwissenschaftliche Forschung betreiben kann oder sich vorbereiten kann auf die literaturwissenschaftliche Lehre. Wir haben an der Universität Bonn zahlreiche Lehrstühle, Seminare für Romanistik, für Anglistik, für Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaften, das ist der erste Bezug.
Der zweite Bezug ist, dass wir natürlich ein Ort sind, an dem Literatur gefunden wird, von Autor:innen, auch mit dem Bezug auf Bonn. Wir haben auch eine sehr ausgeweitete regionalhistorische Sammlung und man kann sich hier sehr fundiert informieren über Bonner Geschichte und auch die Geschichte des Umlandes.
Und der dritte Bezug ist natürlich, dass wir als Pflichtexemplarbibliothek der Ort sind, der Literatur erhält von den Verlagen aus dem Regierungsbezirk Köln. Die liefern die Literatur bei uns ab. Wir haben ergänzend auch die regionalhistorische Sammlung - das heißt, wir verkörpern als Sammlung auch den Bereich hier, das Gebiet, die Geschichte und sind insofern auch der Ort, an dem man die Geschichte erforschen kann, Literatur hat.
Als Ort für Literatur, für Lesungen, Diskussionen, für den Diskurs sind wir dabei, eine Reihe zu gestalten mit der Stadtbibliothek und auch der Bibliothek der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Das nennt sich "Bibliothek³" ("Bibliothek hoch drei"). Da laden wir die Bevölkerung von Bonn und des Umlades ein, und diskutieren über Themen, die die Gesellschaft bewegt - über Urban Gardening, über Partizipation, über Demokratie und dann bringen wir uns auch insofern ein in das Bonner gesellschaftliche Leben.

Frage 3: Welchen nennenswerten Bestände können Sie uns kurz vorstellen? (02:33)

Meyer-Doerpinghaus: Ganz wichtiger Bestand bei uns ist die Romanistik. Wir sind als ULB Bonn im nationalen Rahmen zuständig für die Literaturbesorgung in der Romanistik. Das machen wir zusammen mit der entsprechenden Bibliothek in Hamburg. Das ist ein sehr, sehr großer, sehr geprägter Bereich - und weiter natürlich eben wiederum der Bereich der Literatur über Bonn. Der ist sehr, sehr, sehr weit - sehr, sehr groß. Wer sich also interessiert für die Bonner Geschichte und die Geschichte des Umlandes, findet hier wirklich alles, was publiziert worden ist.

Frage 4: Wie bewältigt die ULb die derzeitige COVID-Situation, was steht gerade in Aussicht? (03:11)

Meyer-Doerpinghaus: Die CORONA-Pandemie hat uns wie alle ganz hart erwischt. Sie hat natürlich zu erheblichen Einschränkungen geführt in der Nutzung unseres Hauses. Wir sitzen ja gerade im Lesesaal - der Lesesaal ist auch immer mal wieder geschlossen worden zu unserem großen Leidwesen. Wir haben uns dagegen stärker digital aufgestellt - also wir haben versucht, die digitalen Angebote auszuweiten, wir haben auch sehr, sehr stark Studierende, Wissenschaftler:innen beraten, aber auch Externe, die nicht zur Uni Bonn gehören. Wir haben ganz viele Nutzer auch in dem Bereich, insofern haben wir versucht, die Folgen möglichst moderat abzufedern. Die Pandemie ist und bleibt eine riesen Herausforderung, wir haben fast wöchentlich wechselnde CORONA-Schutzverordnungen und wir müssen immer wieder da hinein schauen und schauen, was wir dürfen. Unser Grundsatz ist, dass wir immer das Meiste anbieten, was wir anbieten können. Also, immer maximal - sage ich mal - unter der Stange durchspringen, die uns da auferlegt ist und die Zukunft ist unklar. Jetzt steht bald das Wintersemester an und da wollen wir natürlich zusammen mit der Universität den Versuch machen, wieder möglichst präsent zu sein, weil die Studierenden brauchen uns. Sie brauchen - ich sage einmal - ein Obdach, sie brauchen einen Ort zum Lernen, einen Ort zum Zusammensein. Universität kann nicht nur virtuell stattfinden.

Frage 5: Welche digitalen Angebote stehen zur Verfügung bzw. sind in Planung? (04:41)

Meyer-Doerpinghaus: Wir haben ja sehr große digitale Sammlungen. Da bieten wir den Altbestand in digitaler Form an, wir haben ein ganz großes Projekt über die Kölner Zeitung, zum Beispiel, das war eines der wichtigsten Zeitungen, vor allem im 19. Jahrhundert, die wir digitalisieren, Stück für Stück. Wir gehen da sehr, sehr weite Schritte vorwärts. Sie sprachen eben "Die Judenbuche" von Annette von Droste-Hülsdorff an. Wir haben auch sehr wertvolle Handschriften bei uns, Manuskripte, auch von berühmten Personen wie Goethe, auch den Brüdern Schlegel, Annette von Droste-Hülsdorff, Robert Schumann. Wir haben eine sehr, sehr wertvolle Sammlung und wir bemühen uns immer natürlich, die auch digital zur Verfügung zu stellen.

Frage 5: Gibt es auch Zusammenarbeiten mit anderen bzw. internationalen Bibliotheken? (05:27)

Meyer-Doerpinghaus: Zusammenarbeit mit internationalen oder anderen Bibliotheken gibt es noch nicht so stark. Wir planen jetzt ein Abkommen mit der Universitätsbibliothek Krakau. Das wäre die erste Partnerbibliothek, die wir haben. Dann gibt es das sogenannte "Frankreich-Zentrum" seit einiger Zeit an der Universität Bonn, da dürfte es auch Kooperationen mit französischen Bibliotheken geben. Unsere Koorperationen beziehen sich sehr stark auf den Landesrahmen, also Nordrhein-Westfalen. Da gibt es die "digitale Hochschule", da haben wir zahlreiche Projekte, in denen wir vertreten sind - da bieten wir Informationskompetenz an, oder wir tun uns zusammen mit Blick auf Open Access oder Forschungsdatenmanagement. Also da nimmt die Zusammenarbeit besonders stark zu. Im Bundesrahmen ist zum Beispiel entscheidend - wie gesagt - der FID (Fachinformationsdienst) Romanistik oder auch die Forschungsdatencluster, die jetzt allerorten entstehen.
Das ist die sogenannte "nationale Forschungsdateninfrastruktur", da geht es eben darum, dass Wissenschaftler:innen eine Service-Struktur bekommen innerhalb eines bestimmten Fachs und dort Services angeboten bekommen über Repositorien, aber auch Informationskompetenzunterstützung, um eben ihre Forschungsdaten verlässlich speichern zu können, erschließen zu können und absichern zu können. Und da bringen sich die Bibliotheken auch immer mehr ein zur Zeit. 

 

3. Bundeskunsthalle

 
Frage 1: Können Sie sich und Ihre Aufgaben in der Bundeskunsthalle vorstellen? (00:01)

Held: Ich bin die Bibliothekarin der Bundeskunsthalle, wir befinden uns auch hier in der Bibliothek und deshalb kann ich über die Bibliothek und auch teilweise über die literarischen Sachen Auskunft geben. Da wir aber sehr viele Mischformen haben, ist das nicht so ganz mein Bereich. Ich werde mir Mühe geben, aber da müsste man eventuell die Fachleute dann nochmal einzeln zu befragen.

Frage 2: Aber es ist schon einmal schön, einen Einblick zu bekommen.
Frage: Wie lässt sich die Bundeskunsthalle als Literaturort verstehen? (00:29)

Held: Ich fand die Frage generell super, weil ich mich gefragt habe: Ja klar, Literatur und Kunst, die Bundeskunsthalle als Literaturort. Da denke ich als erstes: Na klar, die Bibliothek, wir haben die Bücher - wir besorgen die gesamte Literatur, die im Haus gebraucht wird. Also, für die Restaurierung, für die Juristen, aber natürlich größtenteils für die Ausstellung. Das macht es interessant, weil es immer neue Themen sind. Es ist auch nicht nur Kunst, sondern auch Wissenschaft, wie jetzt die Ausstellung "Gehirn", die kommt, Hannah Arendt oder Aby-Warburg, die gerade waren, wo man dann immer zu neuen Themen immer ganz viel Literatur besorgt. Traditionell haben wir die Kunst 20. bis 21. Jahrhundert und das sprengt das bei Weitem. Das ist natürlich das Spannende daran. Dann machen wir auch zu jeder Ausstellung einen Handapparat - klassischer Handapparat, der ist für die FüMI (?) öffentlich zugänglich, aber auch für andere Leute, der wird auch ins Netz gestellt. Wir machen manchmal auch so etwas wie einen Handapparat in der Ausstellung, das ist dann manchmal schon etwas aufwändiger.

Frage 3: Wie kann Literatur und Kunst verbindend ausgestellt werden? (01:24)

Held: Zum Beispiel in der "James Cook"-Ausstellung war das wie so ein Zelt für Kinder, wo sie hinein gekrochen sind, wo dann Bücher waren. In der Michelangelo-Ausstellung waren das riesig große Bücher - das sind die Teile in der Ausstellung. Andersherum gibt es auch Ausstellungen, die tatsächlich über Literatur gehen.
Die Goethe-Ausstellung war das letzte Beispiel. Bei so einer Ausstellung fragt man sich: Wie will man denn Literatur darstellen? Klar, man kann die ganzen Bücher in Vitrinen zeigen, man kann Bilder zeigen, man kann Filmchen zeigen und so. Ich fand, in der Goethe-Ausstellung war das sehr gut gelöst worden - wir hatten auch die Weimarer Klassik, die da mitbetreut haben -, weil eben nicht nur Bücher gezeigt wurden. Es gab natürlich Bücher in der Ausstellung und auch Bücher zum Anfassen, Bücher zum Lesen, sondern es gab auch Vorlesungen, man konnte sie sich anhören mit digitalen Angeboten, man konnte Filme sehen von Theateraufführungen. Man konnte dem Leben folgen, natürlich war Goethe als Künstler ein Begriff, aber man hat den Literaten und die Literatur seiner Zeit zum Leben erweckt.
Es hat auch immer Lesungen gegeben in der Geschichte, viel davon in Kooperation mit dem Literaturhaus Bonn. Zum Teil gibt es ja immer ein Gastland bei der Buchmesse Frankfurt - die Norweger kommen, die Georgier kommen, et cetera. Das ist mit CORONA etwas eingeschlafen, ich hoffe, dass das wiederkommt - das sind dann Kooperationen. Es hat auch immer Lesungen in und zu Austellungen gegeben. Auch bei nicht-literarischen Ausstellungen sind immer Bücher zu finden - sei es, dass die Künstler besondere Beziehungen zu einzelnen Büchern hatten wie zum Beispiel Jean (???), ein ganz moderner Künstler, dem Bücher wichtig sind; es gibt ja auch Künstlerbücher. Es wird in fast allen Ausstellungen Bücher gezeigt, nicht nur in Aby-Warburg oder Goethe. Manchmal sind das alte Bücher, manchmal wertvolle Bücher, die dann in Vitrinen sind, manchmal kommen dann auch Bücher zum Anfassen.
Wir haben manchmal auch Kinderbücher zur Ausstellung gemacht, also zu Napoleon, zum Beispiel, oder Bertha in Byzanz. Da haben sich natürlich dann Workshops und Lesungen zu diesen Kinderbüchern angeboten. Es gab dieses eigene Programm in dem großen Forum der Bundeskunsthalle, meist in Kooperation mit dem Literaturhaus, da gab es auch einzelne Lesungen immer mal wieder, was wir auch gerne machen - was wir nach dieser CORONA-Sache vielleicht wieder etwas intensivieren könnten.

Frage 4: Welche Veranstaltungen wären hier auch nennenswert? (03:44)

Held: Und "Captain Book" natürlich, das große Kinder- und Jugendlesefest. Seit über sieben Jahren findet immer das große Eröffnungsfest hier statt und 2019 ist es das letzte Mal so ein riesengroßes Fest gewesen, mit fast 4000 Familien. Wir öffnen dann alle Ausstellungen, alle Räume, machen insgesamt 16 bis 20 Lesungen, es kommen Autor:innen, es gibt natürlich Workshops, Tausende Kinder wuseln hier herum. Es ist ein ganz schöner, bunter Tag. Den haben wir leider letztes Jahr sehr eingeschränkt nur gemacht, da gab es nur drei Lesungen im Forum. Dieses Jahr müssen wir mal gucken - wir wollen es nicht hybrid machen, aber es wird nicht so viele Veranstaltungen geben, nicht so viele Sitzplätze, es wird alles etwas anders sein. Aber das lebt natürlich von den Lesungen - die Bücher haben wir auch alle hier, deswegen haben wir hier auch Kinderbücher, was man erst nicht so richtig erwartet. Wir sammeln aber ein bisschen Kunst für Kinder und mit Kindern ins Museum, also was andere Museen so ausstellungsbegleitend für Kinder machen.
Und dann hatten wir gerade mal 2020 eine Kooperation angefangen. Es gibt immer diese Lyrikempfehlungen, das ist auch ein Programm vom Bund. Da kann man sich als Bibliothek oder Buchhandlung daran beteiligen. Das hatten wir 2020 das erste Mal gemacht. Da war gerade der erste Lockdown, ich habe die alle gelesen, war ganz toll und habe dann Besprechungen darüber geschrieben. Aber dann wollten wir sie auch einladen, ein oder zwei, aber dazu kam es nicht und dieses Jahr haben wir es dann gar nicht erst gemacht. Aber nächstes Jahr wollen wir das wieder machen.

Frage 5: Welche Herausforderungen gibt es bei solchen Ausstellungen? (05:54)

Held: Literaturausstellungen wie auch Philosophenausstellungen oder auch die Humboldt-Ausstellung, die wir hatten - wenn man jetzt Personen darstellen will, die geschrieben oder gedacht oder etwas entdeckt haben, ist das nicht so wie bei einer Kunstausstellung, wo man die Kunstwerke zeigt. Klar, man kann die ganzen Bücher zeigen, aber das ist es ja nicht, weil es auch darum geht, sie zu vermitteln. Da helfen einerseits sehr viel die digitalen Medien, weil man zum Beispiel verschiedene "Faust"-Aufführungen und Ausschnitte in der Goethe-Ausstellung zeigen konnte, weil man natürlich Bilder seines Hauses, seiner Weggefährten zeigen kann, weil man Sachen nachbauen kann in der Ausstellung - wie der Salon, wo man sich getroffen hat, wer sich wie getroffen hat. Man kann mit Filmausschnitten arbeiten, man kann auch mit Figuren arbeiten. Ähnliche Herausforderung ist etwa eine Beethoven-Ausstellung - wie stellt man Musik aus oder was macht man da? Klar, man macht natürlich Hörstationen, aber es ist ja mehr - es ist auch Bild, es ist auch Ton. Man zeigt natürlich auch Sachen, in dem Fall das Hörrohr und die anderen Sachen, bei Goethe ist es genauso, gibt ja tausend Sachen, die man zeigen kann.
Es wird vermutlich wieder eine Philosophen-Ausstellung geben, den Namen darf ich gerade natürlich nicht sagen, was ja auch so ähnlich ist. Was eigentlich ganz spannend ist, weil das Interesse daran ist erstaunlich groß. Wie auch bei Hannah Arendt, wo man denkt, spannende Frau, ist schon eine Weile her, und man zeigt dann die Bilder und den Mantel und ein paar Filme. Ganz viele Leute sind sehr daran interessiert, weil es neuere Fragestellungen gibt und natürlich macht man immer Begleitprogramme, aber insofern noch mehr Lesungen, Diskussionen drumherum, das bietet sich dann ja geradezu an - oder das man die Stimme wirklich hört, das kann man ja heute darstellen, oder Filmauschnitte zeigen, wie hat sie denn geraucht, geredet und gedacht. Das ist schon ein sehr visueller Eindruck, auch von Gedachtem. Und ähnlich ist es auch bei Literaturausstellungen möglich. Direkte Literaturausstellungen sind derzeit nicht geplant.
Aber mir ist noch was eingefallen: Wir hatten ja auch noch eine Ausstellung über eine ganz andere Literatur, Comics und Mangas und co., das ist ja auch Literatur.