1. Brühler Lesekreis

Frage 1: Stellen Sie sich vor. (00:00:00)

Brockmann: Mein Name ist Karola Brockmann. Ich führe seit 14 Jahren hier die Buchhandlung gleichen Namens und seit 2013 haben wir im Rahmen meiner vielfältigen Veranstaltungen, die Bücher und Menschen in Brühl heißen, haben wir den Brühler Lesekreis bei Brockmann und der wird moderiert von Herrn Ulbrich. 

Ulbrich: Ich bin seit Anfang an dabei, Ruheständler, und als ich gefragt wurde von Frau Brockmann, ob ich mir vorstellen könnte, das mal zu machen, weil ich früher auch so Seminargedöns gemacht habe, fand ich das toll, weil man jetzt regelmäßig sich mit Literatur beschäftigt. Wir erarbeiten uns das gemeinsam. Das macht den Spaß aus an der Sache. 

Frage 2: Wie kam es zur Gründung des Lesekreises? (00:00:57) 

Brockmann: Als Buchhändlerin hat man intensiven Kundenkontakt durch Beratung und dergleichen, man empfiehlt Bücher. Im Idealfall bekommt man dann auch ein Feedback von Kunden, die sagen, das Buch hat mir aber sehr gut gefallen oder das Buch hat mir nicht gefallen, weil, aber man hat wenig Zeit darüber zu reden, was denn der Grund war und wann man mal was gelesen hat, dann habe ich gedacht, es ist könnte ein Angebot sein für meine Kunden zu sagen hier uns interessiert eure Meinung, deine Meinung als Leser oder Leserin und über diese Leseerfahrung ist es doch spannend, sich auszutauschen. Also wir haben da auch so ein bisschen Basisarbeit geleistet. Aber ich will nicht, wenn ich den ganzen Tag in der Buchhandlung stehe und dann abends noch moderieren soll. Da habe ich gedacht, ich brauche jemand, der ein leidenschaftlicher Leser ist und eine Buchhändlerin kennt leidenschaftliche Leser und auch Leser, die sich artikulieren können und das draufhaben, mit Menschen zu reden. So, und dann fiel es mir ein und dann habe ich ihm geschrieben und da schrieb er, na ja, na ja, und dann haben wir es gemacht. Unser Wunsch ist eigentlich nur, dass der, der am Abend kommt, das Buch auch gelesen hat. Wenn jemand sagt, ich habe auf Seite 67 etwas entdeckt, das hat mich sehr beeindruckt, dann schlagen alle auf Seite 67 ah ja, ja, das war bei mir auch so. Und dann kommt eine Diskussion in Gang. Das Ganze ist lebendig und wir haben nur dieses eine Buch an dem Abend und man kann jederzeit einsteigen und wieder aussteigen.

Frage 3: Wie suchen Sie sich ihre Texte aus? (00:02:41) 

Ulbrich: Also Primat ist, wenn aus der Runde Vorschläge kommen. Es sei denn, Krimi oder Trash-Literatur oder so. Aber das war bis jetzt nicht der Fall. Und dann hat das Team Vorschläge, ich habe einen Vorschlag und die Runde.

Brockmann: Und ein bisschen Aktualität. 

Ulbrich: Ich persönlich habe ein Kriterium, also bitte keine 500 Seiten. Ich glaube, das haben wir nur einmal gehabt. Also ich habe das mal geguckt, diese 75 Bücher, die wir bis jetzt gelesen haben, haben 280 Seiten im Mittel gehabt. Damit kann man gut umgehen, denn wir können ja nicht erwarten, dass die Leute nichts anderes tun, als jetzt das Buch zu lesen.

Brockmann: Und was schön ist, dass es uns öfter schon gelungen ist, die Autoren dann live nach Hause zu holen, wie Eva Menasse zum Beispiel und den Ortheil. Und das ist dann natürlich ein Geschenk für den Lesekreis, dass man dann sagen kann, Hey, wir haben Ihr Buch intensiv besprochen und ein anderes Brühler Publikum natürlich auch.

Frage 4: Wodurch ergibt sich die Runde der Teilnehmenden? (00:03:50)

Brockmann: Das sind Menschen, die live und persönlich in die Buchhandlungen kommen. Wir haben so einen Veranstaltungs-Flyer, der ist jetzt hier für September/Oktober und da ist dann auch wieder eine eigene Rubrik Lesekreis bei Brockmann und da sind die nächsten Termine, da sind die nächsten beiden Bücher und das Interessante ist - wir haben dann auch an der Kasse stehen, was liest der Lesekreis dann und dann und da gucken die Menschen sich das an, wenn der Lesekreis das liest, interessiert mich das auch, ich habe zwar keine Zeit, aber ich möchte das Buch lesen. 

Frage 5: Was ist das Besondere daran, Bücher als Gruppe zu besprechen? (00:04:30)

Ulbrich: Und da merken sie ganz schnell auch in der Runde, dass manche Berührtheit auch etwas mit der eigenen Lebenswirklichkeit zu tun hat. Und wir hatten hier schon Tränen. Also wenn dann Emotionen, wo eine kleine Passage beschrieben ist, die bei einem Menschen, dem man nur hier kennt, dann plötzlich Tränen in den Augen treiben, dann weiß man, Aha, hier ist das passiert, was ja eigentlich Theorie ist. Berührtheit, Text oder Resonanz heißt das ja neuerdings. Und das wirkt natürlich wieder auf andere. Und dann merkt man auch, dass die Leute viel mehr bereit sind, die Meinung anderer, die nicht genau meiner eigenen entsprechen, zu akzeptieren, weil ja dahinter eine emotionale Realität steht. 

Frage 6: Was bedeutet der Lesekreis kulturell für Brühl, eine Stadt ‚eingeschlossen‘ von größeren, Bonn und Köln? (00:05:22)

Brockmann: Also als Lokalmatadorin muss ich ja sagen, dass Brühl eine wunderbare Mittelstadt zwischen den Zentren Köln und Bonn ist und dass wir hier neben Welterbestätten, Brühler Schlösser, vor dem Kölner Dom Welterbestätte geworden, dass wir hier ein Max-Ernst-Museum haben und dass wir ein sehr vielfältiges kulturelles Leben haben, Theater, Musik und dergleichen.

Und das eben meine Buchhandlung, das darf ich so sagen, für Literatur steht. Und die Stadt Brühl, die macht natürlich auch literarische Veranstaltungen, hat große Räumlichkeiten. Und dass die dann auch sagen, Hier Frau Brockmann, was machen wir denn mal, wen laden wir denn mal ein, und dass diese Kooperation, Buchhandlung und Stadt, dass man da auch durchaus schon ein Schwergewicht zwischen den Zentren sein kann.

Ulbrich: Der Charme liegt ja geradezu in dieser mittelstädtischen Größenordnung. Das wollen ja gar nicht alle Leute, immer in einem Raum sitzen, wo 10.000 Leute hocken, das ist gar nicht so begehrt. 

Frage 7: Wie lassen sich Ihre Erfahrungen mit Lesekreisen zusammenfassen? (00:06:42)

Ulbrich: Ein regelmäßiges Lese Abenteuer, das meinen Interpretationshorizont deutlich erweitert hat. Wenn ich ein Buch in die Hand nehme, habe ich inzwischen ganz andere Erwartungen und auch Erfahrungen damit als vor dem Lesekreis. Das Moderieren ist eine Sache, aber ich nehme auch teil und das ist das, was mich bereichert hat. Also viel mehr, die vielen Bücher, die ich zu Hause habe, bedeuten mir inzwischen viel mehr als nur gedruckte Romane oder sowas. Und ich finde, das ist etwas, was Lebensstil und Lebenssinn bereichert. 

Brockmann: Ich habe so Worte dafür, dass so ein Lesekreis, so oft er schon stattgefunden hat, überraschend ist. Manchmal spektakulär, emotional, verbindend, freundschaftlich. Dass man Menschen kennenlernt, wo man denkt, so erster Eindruck und denkt ohje, kennt jeder, und dass man denkt, ach Mensch, der hat ja richtig was, das ist ja ein Leser und wir haben gleiche Ansichten oder wir haben ganz unterschiedliche Ansichten und das hätte ich nie gedacht. Man lernt also Menschen sehr, sehr gut kennen und ist überrascht in der einen oder anderen Richtung. Und kein Lesekreis ist so wie der andere. Das liegt am Buch, das liegt an den Teilnehmern. Und das liegt daran, wie man selber drauf ist. Es ist also total spannend.




2. Lesekreis Theatergemeinde Bonn

 

Frage 1: Wir sind heute hier bei der Theatergemeinde Bonn und sprechen mit Frau Michaela  Wurzer über Literaturkreise und gerade den Literaturkreis der Theatergemeinde Bonn. Würden Sie  sich vielleicht einmal kurz vorstellen? (00:00:00)  

Wurzer: Mein Name ist Michaela Wurzer. Ich arbeite seit 20 Jahren bei der Theatergemeinde hier  in Bonn. Die Theatergemeinde ist ein kultureller Dienstleister. Also wir bieten nicht nur Theater ab  und im Haus an, sondern alles eigentlich, was mit Kultur zu tun hat, Museumsbesuche,  Museumsfahrten, Reisen in andere Städte, wo wir Opernbesuche machen und Opernseminare auch  und den Literaturkreis auch. Ja, diesen Kreis habe ich 2018 ins Leben gerufen und den leite ich  ehrenamtlich hier in der Theatergemeinde. Die Theatergemeinde stellt den Raum zur Verfügung.  

Frage 2: Wie sind Sie zum Lesen gekommen, was man Ihre ersten Berührungspunkte damit?  (00:00:57)  

Wurzer: Also ich habe eigentlich schon immer gerne gelesen. Wobei Lesen in meiner Familie, also  Bücher, spielten da keine so große Rolle bei mir zu Hause. Aber meine Oma, die war in der  Büchergilde und die hat mir immer Bücher besorgt. Und später dann, als ich so in der Schule war,  also schon etwas älteres Schulkind bin ich dann in die Stadtbibliothek und habe mir da immer  Bücher besorgt. Und ja, so ist Lesen für mich eigentlich so zu was ganz Wichtigem geworden in  meinem Leben.  

Frage 3: Wissen Sie noch, wann und was der erste Literaturkreis war, den Sie besucht haben oder  wie Sie überhaupt mit dem Thema Literaturkreis in Berührung gekommen sind? (00:01:41) 

Wurzer: Ich habe hier an der Uni Bonn Philosophie und Germanistik studiert und ich kann mich an  ein Seminar noch sehr gut erinnern. Das ging über die Wahlverwandtschaften, über das Buch von  Goethe, und das war eines der besten Seminare, die ich an der Uni hier gemacht habe, weil wir da  ja, das war einfach so ein interessanter Austausch über dieses Buch. Und damals kam mir eigentlich  schon der Gedanke, dass ich gerne in einem Literaturkreis teilnehmen würde. Aber als ich dann  berufstätig oder seit ich berufstätig war, habe ich oft festgestellt, dass Literaturkreise, die jetzt von  Bildungseinrichtungen angeboten werden, dass die fast alle vormittags stattfinden. Und wenn man  berufstätig ist, geht das halt nicht. Und deswegen, ja, das fand ich eigentlich immer sehr schade.  Und das war eigentlich dann so der Auslöser, dass ich selber auf den Gedanken gekommen bin, den  Literaturkreis zu gründen.  

Frage 4: Auf welche Art und Weise muss ein Literaturkreis geleitet werden? Was steckt so in der  Organisation dahinter, wenn man einen Literaturkreis leiten möchte? (00:02:52) 

Wurzer: Ich möchte mit den Leuten ins Gespräch kommen über das jeweilige Buch, das wir  gelesen haben. Und deswegen besteht bei mir die Vorbereitung eigentlich darin, dass ich einmal im  halben Jahr eine Liste zusammenstelle von zwölf Büchern und aus dieser Liste kann sich jedes  Mitglied, das Literaturpreise, sechs Bücher aussuchen und die Bücher, die am meisten Zuspruch  bekommen haben, die lesen wir dann in dem halben Jahr und ich bereite dann für jedes Buch  überlege ich mir ein paar Fragen dazu. So als Diskussionsgrundlage.  

Frage 5: Was wünschen Sie sich vielleicht für die deutsche Literatur oder für die Literatur, die Sie  in Ihrem Kreis lesen? Oder was würden Sie sich wünschen, mehr zu lesen? (00:03:42)  

Wurzer: Das kann so ein bisschen an meine Auswahl gehen oder mein Blickwinkel auf Bücher  liegen. Ich würde mir manchmal humorvoll als Bücher, wo ein bisschen mehr Humor drin ist, das  würde ich mir wünschen. Also es gibt viele sehr gute Bücher. Aber oft sind das auch sehr schwere  Themen, also so eine gewisse Leichtigkeit. Humor muss ja nicht banal sein. Also das würde ich mir  wünschen.  

Frage 6: Wenn Sie vielleicht Ihre Erfahrungen mit dem Thema Lesekreisen und oder dem Lesen  besprechen, gemeinsam von Literatur in einen Satz fassen wollen würden. Wie würde der lauten?  (00:04:21)  

Wurzer: Hmm, also ich würde sagen, dass sich gemeinsam über ein Buch auszutauschen ist eine  unglaubliche Bereicherung, weil man einfach viele Aspekte entdeckt, auf die man selber so oft nicht  kommen würde. Und das empfinde ich als, und das habe ich auch von anderen Mitgliedern des  Kreises schon gehör, empfinde ich als eine ungeheure Bereicherung. 


3. Lesekreis(e) Susanne Emschermann

 

Frage 1: Wir sind hier Zuhause bei Susanne Emschermann, die sich dankenswerterweise Zeit für  uns nimmt. Frau Emschermann, wollen Sie vielleicht erst mal vorstellen? Was machen Sie?  (00:00:00)  

Emschermann: Mein Name, wie Sie schon sagten, ist Susanne Emschermann. Ich bin 63 Jahre alt  und ich arbeite für das Katholische Bildungswerk in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis und gebe da ein  halbes Dutzend Literaturkreise, habe außerdem noch zwei private Literaturkreise, arbeite als  Rezensentin für den Borromäusverein in Bonn und dann schreibe ich mitunter Artikel für die  BiblioTheke, das ist die Quartals Zeitschrift der katholischen Öffentlichen Büchereien in  Deutschland. Literatur ist meine große Leidenschaft, mein Hobby und ich bin sehr froh, dass ich  jetzt in etwas höherem Alter tatsächlich noch dazu gekommen bin, mich damit zu beschäftigen.  

Frage 2: Wir sind Sie denn überhaupt dazu kommen? Wie hat das bei Ihnen angefangen, auch mit  dem Lesen? (00:00:46)  

Emschermann: Also ich bin schon als Kind total verrückt nach Büchern gewesen. Meine Mutter  hat gesagt, ich bin immer mit so einer Tasche durch die Gegend gezogen, wo Bücher drin waren,  und habe also immer unheimlich gerne gelesen und wollte nach dem Abitur dann gerne  Bibliothekswissenschaft studieren. Da war aber dann Ende der 70er ein Numerus drauf, sodass das  erstmal nichts geworden ist. Ich habe dann Anglistik und Germanistik studiert und eine  Krankenpflege Ausbildung gemacht und dann geheiratet und vier Kinder gekriegt. Und 2004, da  stand im Pfarrbrief, dass jemand gesucht wird für die Pfarrbücherei und über den Borromäusverein  gab es auch Fortbildungen. Und irgendwann hat dann eine Freundin gesagt, in der Gemeinde,  wollen wir nicht mal was anbieten hier? Und hättest du da Interesse? Und dann hab ich gesagt,  okay, das würde ich dann machen. Dann hat sich das rumgesprochen und irgendwann waren wir  zehn. Und dann haben Leute nachgefragt, dass sie auch gerne teilnehmen würden, und dann habe  ich gesagt, okay, ich mach eine Warteliste auf und als auf der Warteliste dann fünf Leute standen,  hab ich es in den Pfarrbrief gesetzt, dass wir einen zweiten Kreis machen würden. Und, weiß nicht,  innerhalb von einer Woche, waren es dann schon wieder zehn.  

Frage 3: Waren das auch Ihre ersten Lesekreis Erfahrungen, die selbst gegründeten oder haben Sie  da schon vorher Erfahrungen gesammelt? (00:01:56)  

Emschermann: Nein, ich hatte zuerst einen Privaten, da hat mich vor, ach ich weiß nicht, vor 25  Jahren, vielleicht, hat mich eine Freundin angesprochen, ihre Nachbarin hätte einen Literaturkreis und ob ich da auch Lust hätte. Und da machen wir es auch so reihum darf einer Bücher vorstellen  und dann wird abgestimmt. Bei den Kursen, die ich leite, schlage ich die Bücher vor.  

Frage 4: Was ist besonders wichtig für die Auswahl von Büchern für einen Literaturkreis?  (00:02:22)  

Emschermann: Das Buch muss einen sogenannten doppelten Boden haben. Das Thema, das muss  vielfältig dargestellt werden. Die Figuren dürfen nicht schwarz gezeichnet sein.  

Frage 5: Wie ist das bei den Mitgliedern für so einen Literaturkreis? Was sind die Anforderungen  an die oder gibt es überhaupt welche, außer dass sie vielleicht da sind? (00:02:36)  

Emschermann: Nein, es gibt keine. Es darf kommen, wer möchte.  

Frage 6: Was glauben Sie, ist das Besondere daran, in einen Literaturkreis zu gehen und über  Literatur zu sprechen? Denn eigentlich wird Literatur ja alleine konsumiert, es sei denn man liest  eben vor und wird dafür vielleicht auch gerügt. (00:02:45)  

Emschermann: Ich weiß nicht, wie Ihnen das geht, aber ich habe schon immer doch wenn ich ein  Buch gelesen habe, was mir richtig gut gefallen hat oder was ich ganz schrecklich fand, dann wollte  ich doch schon immer ganz gerne auch wissen, was andere dazu denken, ob die das auch so sehen  oder ob die das anders sehen. Das fand ich eigentlich immer schon spannend. Es ist auch so, man  tauscht sich nicht nur, sage ich immer, nicht nur über die Leseerfahrungen aus, sondern da schwingt  immer die Lebenserfahrung mit.  

Frage 7: Wie glauben Sie, wird Ihre vielleicht Lesekreiserfahrung davon beeinflusst, dass es jetzt  gerade auch häufig Lesekreise mit dem Hintergrund waren, Gemeinde, über die Pfarrbriefe die  Mitglieder gesucht, hat das irgendwie einen Einschlag darauf oder würden Sie sagen im Vergleich  mit dem Privaten Lesekreisen hat das gar keinen Einfluss darauf gehabt? (00:03:19)  

Emschermann: Also im privaten Literaturkreis ist der Austausch oft nicht so ergiebig, den Kreis  leitet halt keiner, und die die Kurse, die ich für das Bildungswerk gebe, die leite ich. Das heißt,  wenn die Diskussion abschweift, dann sage ich auch schon mal, können wir bitte mal zum Buch  zurückkommen? Also die Stimmung, würde ich sagen, ist ähnlich, vor allem, wenn die Kreise fest  sind. Also die bestehen ja seit vielen Jahren bei mir. Das ist nicht so, dass jedes Mal andere  Teilnehmer kommen. Also ich habe auch Kollegen, die haben Einzeltermine, da können jedes Mal  andere Leute kommen und sie wissen oft an dem Abend vorher gar nicht, wer kommt. Das ist eine  andere Atmosphäre. 

Frage 8: Was würden Sie sich wünschen? Vielleicht von der Literatur, von literarischen Werken,  jetzt gerade auch in die Zukunft sehend? (00:04:14)  

Emschermann: Ich finde, das ist schon jetzt, wie Sie hier sehen können, so viele Bücher gibt, dass  ich gar nicht weiß, was ich dann im nächsten Halbjahr besprechen möchte. Also da könnte ich gar  nicht sagen, dass mir da was fehlt, weil Literatur bildet ja ein Stück auch immer den Zeitgeist ab.  

Frage 9: Wie ist es bei der Bonner oder auch im Umland befindlichen Literaturszene oder auch  Kulturszene? Fehlt Ihnen da was oder haben Sie das Gefühl, da ist auch schon genug zu finden  eigentlich? (00:04:38)  

Emschermann: Ich finde, dass die Literaturszene im Bonn Kölner Raum eigentlich ziemlich gut  ist. Und während Corona, so schrecklich das war, haben sich auch noch andere Möglichkeiten  aufgetan.  

Frage 10: Wenn Sie Ihre Erfahrungen mit Lesekreisen in einem Satz bündeln könnten, wie wäre  dieser? (00:05:01)  

Emschermann: Dass man in einem Literaturkreis Lese- und Lebenserfahrungen austauscht und die  die Menschen in so einem Kreis sich dabei näher kommen. Also die Literatur bringt uns einander  näher.